Die Idee

Böden als CO2 Senken

Konkret sollen durch das Zusammenwirken des Projektteams mit den Landwirten ackerbauliche Maßnahmen erarbeitet werden, die im regionalen Kontext geeignet sind die Humusgehalte ihrer Böden durch die Festlegung von CO2 wieder anzuheben. Darüber hinaus sollen die Modalitäten und vertraglichen Grundlagen für den Nachweis und die Sicherstellung der Kohlenstofffestlegung erarbeitet und formuliert werden. Am Ende des Projektes soll ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell für den regionalen Handel mit Emissionszertifikaten stehen. Klimaschädliche Emissionen werden von Landwirten kompensiert, die Region profitiert.


Kohlenstoffkreislauf im Boden


1 Bodenorganismen: Humifizierung/Festlegung oder Mineralisierung/Freisetzung von organischer Substanz

2 Pflanzenreste: aus der Hauptfrucht oder aus der Gründüngung inklusive Wurzeln

3 Organische Düngung: Substanz aus tierischem oder pflanzlichem Ursprung

4 Humus: Gesamtheit der organischen Stoffe im Boden, die beim Abbau und Umbau pflanzlicher und tierischer Überreste entstehen, Humus besteht zu 58 % aus Kohlenstoff

5 Haupteinflussfaktoren auf die Humusdynamik: Bodeneigenschaften, Bearbeitung, Klima


Die Herausforderung


Änderung der Landnutzung

Der Ausstoß von CO2 in der Landwirtschaft ist ein aktuelles und vielseitig diskutiertes Thema. Ursachen hierfür sind die intensive, humuszehrende Bewirtschaftung landwirtschaftlich genutzter Böden, einseitig mineralische Düngung, unausgeglichene Fruchtfolgen, zu hoher Pestizideinsatz und der Energie- und Ressourceneinsatz bei der Bewirtschaftung. Dabei stellen die Böden weltweit betrachtet das größte Kohlenstoff-Reservoir auf der Welt dar. In ihnen ist mit einer Kohlenstoffmenge von ca. 2000 Gigatonnen etwa zweieinhalbfach so viel Kohlenstoff gebunden wie dieser im Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre mit ca. 830 Gt C vorkommt (IPCC climat report 2013). Da ein Großteil der im Boden gebundenen Kohlenstoffmenge im Humus der oberen Bodenschichten gespeichert ist, wird dieser Speicher stark von der Nutzung dieser obersten Bodenschicht beeinflusst.

Durch negative Änderungen der Landnutzung – zum Beispiel durch die Umwandlung von Wiesen zu Ackerland und durch intensive Bearbeitung -wird Humus abgebaut und gelangt als klimawirksames CO2 in die Atmosphäre. Außerdem wird mit dem Humusabbau nicht nur Kohlendioxid freigesetzt, sondern die Böden verlieren auch an Stabilität und Durchwurzelbarkeit und an der Fähigkeit Wasser- und Nährstoffe zu speichern. Die Bodenfruchtbarkeit leidet (Schleswig-Holsteins Böden als CO2-Senke, Flensburg, Mai 2017).


Synergien


Zusatzeffekte

Humusaufbau durch organisch gebundenen Bodenkohlenstoff hat weitere elementare Querschnittsfunktionen, die positiv auf die Umwelt wirken:

Wasserschutz

Verbessert Wasserversickerung und -speicherung, Verbessert Absorption und Speicherung von Pestiziden und anderer organischer Schadstoffe

Bodenfruchtbarkeit

Verbessert Bodengesundheit, Nährstoffumsatz und -speicherung

Artenvielfalt

Verbessert Biodiversität im Boden und auf der Flur, mehr Lebensraum für Fauna durch erhöhte Durschwurzelung, Zwischenfrüchte, Untersaaten und Begrünung

Erosionsschutz

Stabilisiert Bodenstruktur und verbessert die Aggregierung, Reduziert Bodenverluste durch Erosion

Resilienz

Puffert Erträge gegen Wassermangel oder Überschwemmung


Rahmenbedingungen


Paradigmenwechsel

Das Projekt steht für einen Paradigmenwechsel. Bisher war die Landwirtschaft primär darauf ausgerichtet ein verkaufsfähiges Handelsgut (meist Nahrungsmittel) zu produzieren. Nun wird von ihr immer mehr eine multifunktionale Rolle erwartet, welche Umweltdienstleistungen wie Trinkwasserschutz, Erhalt der Artenvielfalt und Landschaft- und Klimaschutz beinhaltet. Nur in dieser ganzheitlichen Sicht kann sie ihrem aktuellen Auftrag und ihrer gesellschaftlichen Rolle umfassend entsprechen.

Damit die Landwirtschaft diesem Anspruch gerecht werden kann, ist nicht nur ein Umdenken in Teilen der Landwirtschaft notwendig, sondern auch in der Gesellschaft und in den Städten. Landwirte können im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld, wo im wesentlichen nur die produzierte Marktware entlohnt wird (Verkaufsprodukte wie z. B. Milch oder Weizen) diese zunehmend geforderte Rolle nur sehr eingeschränkt erfüllen, indem sie in Nischenmärkte gehen wie die biologische Landwirtschaft. Auf der einen Seite sind die Bauern einem steigenden Preisdruck von immer größeren und wenigeren Abnehmern im Lebensmittelhandel ausgesetzt, auf der anderen Seite schränken Verbote und zunehmend restriktive ordnungsrechtliche Maßnahmen zum Umweltschutz und administrativer Mehraufwand die Handlungsspielräume ein und erschweren das wirtschaftliche Überleben vieler Betriebe. Dieser für viele Bauern existenzbedrohende Konflikt lässt sich nur lösen, wenn Umwelt- und Sozialleistungen von der Gesellschaft nicht nur eingefordert, sondern auch entlohnt werden. Notwendig ist eine geldwerte Anerkennung auch der Umweltdienstleistungen auf Basis transparenter und messbarer Ergebnisse. Gesellschaft und Landwirtschaft, Stadt und Land müssen aufeinander zugehen.

Die mit diesem Projekt angestrebte “Regionale Klimakooperation” bietet hierzu eine Gelegenheit. Sie schafft die Möglichkeit für direktes Handeln der Akteure mit der Perspektive auf eine sich selbst tragende Vereinbarung durch direkte Kooperation zwischen Landwirten und Bürgern, Firmen und Institutionen.


Projektablauf


Meilensteine

Das Projekt besteht aus 6 Meilensteine. Die Kick-off Veranstaltung war im Juni 2019. Bis spätestens Mitte 2021 wird das Projekt Resultate liefern. Zeitgleich wird ein Geschäftsmodell entwickelt. Ein Start-up, eine gemeinnützigen Organisation soll dann die Koordination übernehmen, um die kreierten Bodenzertifikate zu handeln.